Psychologie: Transrationalität vs. Prärationalität

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Lidskjalfr
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Psychologie: Transrationalität vs. Prärationalität

Ungelesener Beitrag von Lidskjalfr » 19. April 2016, 21:35

Transrationalität versus Prärationalität


Gerade in Kreisen Derer, die versuchen, sich weiter zu entwickeln, oder die zumindest bemerkt haben, daß es doch etwas Mehr gibt, als es uns das materialistische Weltbild vermitteln will, hat sich leider schon seit vielen Jahren ein fataler Irrtum eingeschlichen: Die Verwechselung von Trans-Rationalität mit Prä-Rationalität.

Erklärend sei ein kleiner Exkurs gestattet:
Jeder Mensch, vom Kleinkind bis zum Erwachsenen*, macht in verschiedenen Phasen, eine Entwicklung durch, oder, besser gesagt; sollte sie durchmachen. Diese kann man in verschiedene Stufen unterteilen (ecempli causa; nach Jean Plaget):

- Sensomotorische Periode:
Lernen auf Grundlage von Informationen durch physische erkundungen und sinnliche Reize,

- Prärationale Periode:
Egozentrisches Denken und nicht-logische Instinkte und Intuitionen auf der Grundlage von Wahrnehmung,

- Konkret operationale Periode:
Konkrete Operationen befassen sich mit wahrnehmbaren Dingen, welche geordnet, serialisiert und klassifiziert, so wie; in mathematischen Operationen verarbeitet werden können,

- Formal operationale Periode:
Formale Operationen sind Opererationen zweiter Ordnung, das heißt; Operationen auf Operationen. Sie umfassen logische Lehrsätze und hypothetisches Denken, auf der Grundlage theoretischer Konstrukte.

Ähnliche Entwicklungsschritte, machen ganze Völker / Kulturen - und die Menschheit, insgesamt. Alle ca. 2300 - 2500 Jahre, kann man bemerken, daß sich in diesen Zeiträumen die Menschheit tendenziell um einen Schritt weiter entwickelt. "Tendenziell" deswegn, weil es in jedem Zeitalter ein paar Wenige gibt, die in ihrer Entwicklung den Anderen um Jahrtausende voraus sind und auch Einige, die in ihrer Entwicklung ein paar tausend Jahre hinterher hinken.

Betrachten wir nun mal in groben Zügen die Entwicklung der Menschheit in den letzten paar Äonen:

- Die Menschen des Altertums:
Diese Menschen waren, wie inzwischen nachgewiesen ist, nicht dümmer als wir. Ihnen standen lediglich weniger Informationen zu Verfügung. Viele Dinge erschienen für sie beseelt und Alles was unvorhersehbar war und für sie unerklärlich, musste wohl von mächtigeren Wesen so gelenkt werden. Man versuchte mit Diesen zu kommunizieren und sie gütig zu stimmen. Sie gingen davon aus, daß alle Ereignisse, von diesen mächtigeren Wesen beabsichtigt seien.
Dies gipfelte in der Antike, in eine vielfältige und genau systematisierte Götterwelt.

- Die "Achsenzeit":
Die entscheidende Erkenntnis, welche die Achsenzeit ( ca. 800-300 v. Chr.) mit sich brachte, war; daß es Dinge ohne Seele gibt. Diese Erkenntnis probten Buddha, Laotse und Konfuzius im fernen Asien und die griechischen Philosophen im europäischen Kulturkreis. Diese bahnbrechende Entdeckung wird als Übergang vom Mythos zum Logos, also; vom subjektivistischen, zum rationalen Denken, bezeichnet. Daher auch die Bezeichnung; "Achsenzeit".

- Zeitalter der Rationalität:
Ab etwa dem 2. Jahrhundert, begann langsam aber, im Laufe der nächsten Jahrhunderte immer deutlicher sich herausbildend, die große Zeit der Wissenschaft, die in der Zeit der Aufklärung zu einer Hochblüte kam, sodann im 19. Jahrhundert in der IIndustriealisierung und schließlich im totalen Materialismus mündete.

- ""Neues Zeitalter" oder; "Transrationales Zeitalter":
Nun wird den ersten Vorreitern gewahr, daß doch nicht Alles nur Materie ist und sogar Materie,nicht Das ist, was wir bisher angenommen hatten. Die Weiterentwicklung der Menschheit setzt nun voraus, daß wir erkennen das nicht Alles ad absurdum zu führen ist, auf was in den vorhergehenden Zeitaltern der Fokus gerichtet war. Wissenschaft und Magie / Spiritualität müssen sich nun wieder annähern und schließlich vereinigen!

Transrationalität beschränkt sich nicht mehr alleine auf das Logos, obwohl sie auch Diesen als notwendig und gerechtfertigt erachtet. Transrationalität beachtet, erforscht und bereist die Welt der Geister, Götter und Seelen, jedoch; unter der Zuhilfenahme unserer vollen kognitiven Fähigkeiten - und somit; auch mit einer ausgereiften und multidimensionalen Logik..
Viele, die einen spirituellen Weg eingeschlagen haben, glauben sich in Prärationalität flüchten zu müssen. Das halte ich für einen Rückschritt. Denn der völlig prärationale Mensch kann zwar in Verbindung mit der "spirituellen Ebene" treten, - sie aber weder begreifen, noch sinnvoll mit ihr interagieren.

Nehmen wir mal als ein Beispiel, die Aussage: "Alles ist Eins":
"Alles ist Eins" sagt der prähistorische Shamane oder der Esoteriker von Heute, "Ohne Differenz, kein Erkennen" sagt der Philosoph. Was ist wahr?
Transrationalität erkennt: Beides ist wahr und Beides ist falsch. Denn die erste Aussage führt leicht in ein unstrukturiertes, diffuses "Wischiwaschi", daß in völliger Beliebigkeit und somit dem Nichts enden kann, während die zweite Aussage leicht dazu führt, in einer bipolaren und viel zu sehr versimplizierenden "Primitiv-Logik" zu verharren, mit welcher Niemand multidimensionale Zusammenhänge und Kausal-Netzwerke erkennen könnte..
Am nächsten an den Kern, den beide Aussagen nur umkreisen, kommt wohl in diesem Zusammenhang der "Synechismus", verstanden als die Tendenz, Alles als zusammenhängend (kontinuierlich***) zu betrachten.



*(Wie schon, an anderer Stelle von mir erwähnt wurde, herrschen, mal mehr und mal weniger, aber ganz explizit in der heutigen Gesellschaft, viele Einflüsse, welche den Menschen daran hindern, wirklich erwachsen (und damit; wirklich mündig) zu werden. Die Gesellschaft wurde infantilisiert** und die Meisten erscheinen lediglich, auf Grund von Konditionierungen ("Dressur"), als "erwachsen".)

**( Insbesondere, in Verbindung zum Einfluss der Medien, nachgewiesen von; Bernhard Stiegler / Centre Georges Pompidou /Collége International de Philosophie, Robert B. Laughlin / Stanford University, Wolf Singer / Max-Planck-Institut für Hirnforschung, etc.)

***(Die Kontinuität der Welt ist gut vergleichbar mit einen Farbkreis, in dem die Farben eben fließend ineinander über gehen)

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